Immer öfter werde ich gefragt, ob ich nicht mal einen Einblick in meine Bildbearbeitung geben möchte. Den Workflow von anderen Fotografen kennenzulernen und mit dem eigenen abzugleichen, ist nicht nur interessant, sondern oft auch lehrreich, denn niemand ist perfekt und jeder kann etwas von dem anderen lernen!

Im Folgenden zeige ich Euch daher meine grundlegenden Bearbeitungsschritte am Beispiel eines Bildes der lieben Vivien, die ich Anfang 2017 shooten durfte! Das Ausgangsbild sah so aus:


1 | Der Grundlook
Nach dem Import der Bilder in Lightroom geht es zunächst einmal um den Grundlook des Bildes. Meist habe ich beim Fotografieren schon eine Vorstellung des finalen Bildes und versuche diesen Look natürlich auch in der Bearbeitung zu erzeugen. Für den Grundlook habe ich mir mittlerweile eine ganze Reihe von Presets zugelegt, welche die Arbeit enorm erleichtern und beschleunigen. Für die Serie mit Vivien habe ich mich für ein Preset von Carmen & Ingo entschieden, das vor allem die Tiefen anhebt und die Kontraste verstärkt.

2 | Die Grundanpassungen
Ein Preset ist wirklich immer nur die Basis und nimmt einem (zum Glück) die Arbeit nicht ab. Als nächstes geht es also an die Grundregler des Bildes, d.h. ich passe den Weißabgleich, die Belichtung und die Farben manuell an. Insgesamt habe ich bei diesem Bild die Temperatur etwas nach unten gezogen und am Lightroom-Regler „Kamerakalibrierung“ etwas gedreht. Zusätzlich gucke ich mir an, ob die Lichter im Bild passend sind und ob das Schwarz etwas verstärkt werden muss oder die Tiefen angehoben werden müssen.

3 | Der Radialfilter
Den Radialfilter erwähne ich in einem extra Abschnitt! Warum? Weil ich diese Möglichkeit lange nicht genutzt habe, man aber die Lichtstimmung in einem Bild mit einem Radialfilter noch einmal ganz anders steuern kann. Natürlich geht das auch über einen Verlaufsfilter etc., aber ein Radialfilter ist, wie ich finde, eine komfortable Möglichkeit für Vignettierungen und um bestimmte Bildbereiche hervorzuheben. Bei diesem Bild wollte ich Vivien natürlich etwas stärker betonen und aufhellen und gleichzeitig den Rest abdunkeln. Das sieht dann im Vorher-Nachher so aus:


4 | Hautkorrekturen
Wenn Farben, Kontraste und der Look insgesamt schon stimmig sind aus meiner Sicht, geht es an die örtlichen Korrekturen und Retuschearbeiten. Ich arbeite komplett ohne Photoshop und sitze auch nicht mehrere Stunden an der Retusche (wobei ich das auch nicht verteufel und nicht ausschließen möchte, dass ich mich in diese Richtung entwickle).


Auf dem obigen Bild seht Ihr meine „Bearbeitungspunkte“, die ich bei diesem Bild erstellt habe.
Meine Hautbearbeitung sieht in groben Zügen wie folgt aus: Zunächst glätte ich die Haut etwas (wichtig ist mir, dass die Haut nicht puppenhaft aussieht!), anschließend werden kleine Unreinheiten wie z.B. Pickelchen mit dem Reparaturstempel entfernt. Am Ende verstärke ich Kontraste mittels „Dodge & Burn“, d.h. Schatten und Lichter werden etwas verstärkt.
Kleinere Optimierungen wie Augen und Lippen runden die Bearbeitung dann ab. Ganz am Ende ziehe ich noch die Klarheit und die Tiefen in den Haaren etwas rauf, um ihnen noch etwas mehr Glanz zu verleihen. Bei Vivien habe ich die Haare zusätzlich noch etwas kühler gemacht, um den Gesamtlook des Bildes zu unterstreichen. Ganz wichtig bei Hautkorrekturen: man darf den Rest des Körpers nicht vergessen, also Hals, Oberkörper und Arme. Man sollte auf jeden Fall darauf achten, dass die Farben etc. alle stimmig sind und gut zueinander passen.
Mein Grundprinzip bei der Hautretusche ist „weniger ist mehr“ – die Natürlichkeit des Models soll auf jeden Fall erhalten bleiben! Hier seht Ihr ein Vorher-Nachher der Hautretusche und dass die Optimierungen hier wirklich nur minimal gewesen sind:


5 | Finale Justierungen
Nach dem ersten Export und der Ansicht des Bildes nehme ich in aller Regel noch einmal kleinere Änderungen vor. Neben dem Schärfen des Bildes ziehe ich hier und da nochmal an den Reglern, verstärke oder verringere Vignettierungen und Kontraste, bis das Bild einen stimmigen Gesamtlook hat. Bevor ich Bilder poste, sieht das Model die Ergebnisse natürlich und gibt mir ein Feedback. Im Anschluss daran nehme ich dann die gewünschten Anpassungen vor und erst dann ist es final!

Hier seht Ihr noch einmal das Ausgangsbild, wie es aus der Kamera kam, und das finale Ergebnis im Vergleich. Wie geht Ihr bei der Bildbearbeitung vor, was macht Ihr anders, habt Ihr Kritik? Ich freue mich über Eure Meinungen!


Model: Vivien Wagner
Fotograf: Ingo Dammasch Fotografie

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